J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe“Three Rings for the Elven-kings under the sky ...” Inzwischen habe ich diverse Ausgaben der »Ring- Trilogie«, darunter welche mit schöneren Illustrationen und besserem Papier. Aber die erste, die ich damals las, war die von Ace Books, zu 75 ¢ pro Band, jene berüchtigte Ausgabe, die ohne Erlaubnis des Autors gedruckt worden war, aber ihm dann im Endeffekt zu seinem Siegeszug in den USA verhalf. Meine eigentliche Faszination mit Tolkiens Werk kam erst viel später , und – aber sie hat mich bis heute nicht losgelassen.E. R. Eddison: Der Wurm OuroborosEin gewaltiges Buch. Ich las es ungefähr mit neunzehn, in der Phase zwischen Abitur und Studium, meistens im Zug, mit dem ich jeden Tag zwischen Elternhaus und Zivildienst pendelte. Was ich damals wirklich davon verstanden habe, weiß ich nicht. Aber gut zwanzig Jahre später habe ich es übersetzt – das Buch, das als unübersetzbar galt. Ich halte es nach wie vor für meine beste Übersetzung, und danach war beim Übersetzen irgendwie die Luft raus. Somit ist Eddison indirekt dafür verantwortlich, dass ich zum Schreiben von Romanen kam.Poul Anderson: Das geborstene Schwert»So etwas Wildes würde ich heute nicht mehr schreiben«, meinte Anderson im Vorwort der Neuauflage der Ballantine Adult Fantasy Series. Zeitlich und von den Motiven her eine interessante Parallele zum »Herrn der Ringe«, aber doch von ganz anderer Aussage: kein christliches, sondern ein heidnisches Buch. Anderson, selbst dänischer Herkunft, war von der Wikingerzeit fasziniert, hat aber in späterer Zeit nie wieder etwas so Beeindruckendes zustande gebracht wie dieses frühe Werk. Man nimmt es ihm nicht einmal übel, das sein Held Skafloc tragisch endet.Leslie Barringer: GerfalconKein Buch aus dem Fantasy-Mainstream, obwohl eine deutsche Übersetzung des Romans in der ‘Bibliothek der phantastischen Abenteuer’ bei Fischer erschien. Ich hatte mich damals gleichzeitig um die Lizenzrechte bemüht. Barringer kommt eher aus der Tradition des historischen Jugendromans von Autoren wie G. A. Henty, die heute kaum jemand noch kennt. Der Roman spielt in einem imaginären Land, das dem Frankreich des Hundertjährigen Krieges ähnelt – ohne Magie, aber mit viel Imagination.Austin Tappan Wright: IslandiaDen meisten wird dieses Buch nichts sagen. Aber wenn man mal jemanden trifft, der es gelesen hat, dann fühlt man sich wie zu einer verschworenen Gemeinschaft gehörig. Wright, ein amerikanischer Jura- Professor, hat sein Leben lang daran geschrieben, und außer seiner Familie hat keiner davon gewusst. Erschienen 1942, elf Jahre nach dem Tod des Autors, war es nie ein Bestseller, aber ist ein Buch, das einfach nicht sterben will. Es spielt auf einem fiktiven Kontinent der irdischen Südhalbkugel und ist weder Utopie noch Fantasy. Es ist nie auf Deutsch erschienen.Robert E. Howard: Conan of Cimmeriaerste Buch, das ich neben der Schullektüre auf Englisch gelesen habe. Ich habe heute noch die Ausgabe mit den in Bleistift darübergeschriebenen Vokabeln. Damals, als Sechzehnjähriger, fand ich Conan viel interessanter als Frodo. Die Cover von Frank Frazetta, die der »Sword-&-Sorcery« eine völlig neue Ikonografie gaben, taten ihr Übriges dazu bei. Auch wenn Howard mit der Zeit etwas an Faszination eingebüßt hat, seine Geschichten sind immer noch so voller Power, dass – wie bei Tolkien – seine zahlreichen Nachahmer dagegen farblos und öde wirken.Ursula K. Le Guin: Der Magier der ErdseeLe Guin schaffte es, Tolkiens Werk zu kennen, es zu lieben und sich doch nicht zu sehr davon beeinflussen zu lassen, sodass sie etwas Eigenständiges schuf. Ged, der Zauberer von Erdsee, der manche Fehler hat, aber versucht, dem Leben und seinen Fähigkeiten gerecht zu werden, ist für mich so etwas wie ein Rollenmodell. Und Le Guins Konzept der »Wahren Sprache«, die aller Magie zugrunde liegt, ist eine faszinierende Vorstellung. Abgesehen davon, dass ich Le Guins zurückhaltenden, unaufgeregten Erzählstil mag. Sie ist neben Tolkien die Autorin, deren Werke ich sammle.Joy Chant: Roter Mond und Schwarzer BergIn meinen Augen ein weit unterschätzter Roman. Was wie ein Jugendbuch im Stil von C. S. Lewis’ »Narnia« beginnt, wird zu einem ganz eigenständigen Werk. Den Clash der Kulturen merkt man erst, als die drei Kinder, die es in die Fantasy-Welt verschlagen hat, wieder zusammentreffen und feststellen, wie sehr sie sich verändert haben. Gegen die Reiterkultur der Hurnei sind selbst Tolkiens Rohirrim blass. Und die große Auseinandersetzung am Ende hat Momente, für die man ganze andere Bücher wegwerfen kann. Ganz abgesehen von dem wunderbaren Schlussszene an der Quelle des Tänzers und dem ein wenig traurigen Ende.Rudyard Kipling: Puck vom BuchsbergKipling ist hauptsächlich noch bekannt durch die »Dschungelbücher« und »Kim«, aber er war jemand, der England liebte und ähnlich wie Tolkien den Versucht gemacht hat, eine eigene »Mythologie für England« zu entwickeln. Das Ergebnis waren zwei Bücher, in denen innerhalb einer Rahmengeschichte Puck (der aus dem »Sommernachtstraum«) zwei Kindern in Geschichten die ganze Geschickte Englands lebendig werden lässt. Verbunden mit Gedichten, denen man heute noch gelegentlich als “Filksongs” auf Conventions begegnet. Auch ein Autor, der heute sehr unterschätzt wird.Philip Pullman: Der Goldene Kompass»Northern Lights« ist der britische Titel des Romans, der in den USA und dann auch als Film als »The Golden Compass« erschien. Auch hier gilt: Wer nur den Film gesehen und nicht das Buch gelesen hat, hat etwas verpasst. Pullman kommt aus der Tradition des viktorianischen Romans, was mir eigentlich nicht so liegt, aber er besitzt eine ungeheure Originalität, die frischen Wind in die Fantasy bringt. Allein die Idee, den Menschen eine Art externe Seele in Tiergestalt beizugeben, mit der man sich unterhalten kann, ist brillant. Und er ist kein Fan von C. S. Lewis, was ihn mir sympathisch macht